designsymposium FH Aachen

Thema Konsum

Konsum erweist sich auch in Krisenzeiten als stabil und ist trotz aller konsumkritischen Assoziationen zunächst existentiell: Als Lebewesen mit einem Stoffwechsel versehen, kommen wir nicht umhin, Dinge unserer Umwelt zu verbrauchen. Mit der Ausweitung und dem Wandel der Bedürfnisse gewinnt Konsumtion an Komplexität. Waren und deren Produzenten werben um unsere Aufmerksamkeit, behaupten ihre Alternativlosigkeit und statten unser Ego mit attraktiven Erweiterungen aus. Der Konsum scheint eines der wenigen bemerkenswerten Phänomene zu sein, das sowohl als Ursache und gleichzeitig als Lösung eines Problems aufgefasst wird. Den drastischen Folgen eines übersteigerten, von allen realen Produktionsverhältnissen entkoppelten Konsumbedarfs antworteten die betroffenen Staaten und Gemeinschaften angesichts der Finanzkrise mit der Aufforderung zu mehr Konsum.

Das Verhältnis von Konsument und Ware ist ambivalent und lässt sich nicht nur einer Richtung zuschreiben. Aktuelle Einlassungen über den Konsum halten sich in der Schwebe vom „Manifest der Kommunistischen Partei“ (Karl Marx, Friedrich Engels 1848) zum „Konsumistischen Manifest“ (Norbert Bolz, 2002). Dem rigorosen System des Tauschwerts aller Beziehungen steht die These des einzigen „massendemokratischen Lebensstils“ gegenüber. Geiz ist ebenso geil wie Nachhaltigkeit, doch eine Schelte der wechselnden Moden und mittelfristigen Glaubensbekenntnisse griffe zu kurz.

Der Konsumismus gilt nach wie vor als vitale Motivation menschlichen Handelns, auch über den Bereich der Ökonomie hinaus. Waren und Lebens-Mittel definieren unseren Zugang zu den Objekten und Subjekten. Wir üben den Lustaufschub, sammeln und sparen mit Blick auf das zu erreichende Ziel. Gleichwohl durchschauen wir das Raffinement unserer vermeintlichen Verführer und können deren Überredungskunst auch als reine, produktfreie Botschaft genießen. Der scheinbaren Unversöhnlichkeit von Ausbeutung und produktgestützter Selbstverwirklichung begegnen wir als produktive Konsumenten, die in der Rolle als Prosumer (Alvin Toffler, 1980) oder als Vertreter der Konsumguerilla (Birgit Richard/Alexander Ruhl, 2008) einen subversiven und strategischen Umgang mit Konsum praktizieren.

Das Symposium möchte in Vorträgen und Diskussionen der Komplexität dieser unterschiedlichen Haltungen zum Konsum nachgehen. Eine Kritik der Warenästhetik (Wolfgang Fritz Haug, 1971) trifft auch heute noch die „Mission“ der Designer, die als Kommunikatoren und Inszenatoren das Verhältnis von Produkten und ihren Benutzern gestalten. Mit dem „Zeug zur Macht“ (Peter Sloterdijk, 2006) ausgestattet, unterstützt von Trendforschern und Marktanalysten, suggerieren Designer ihren Kunden einen geschmeidigen Dialog mit den Dingen. Gleichzeitig sind sie sich auch der gesellschaftlichen Verantwortung bewusst, die ihre Arbeit stets mit einschließt.

Die Balance von Funktion und Schein, Gebrauchswert und Tauschwert der Objekte wird stets neu verhandelt. Unsere Umgangsformen mit Produkten werden ausgeklügelter und mehrdimensionaler oder vielleicht auch wieder in einem Retroschwung unverblümt und handfest, doch der Verkehr zwischen den Waren und uns wird so bald nicht eingestellt – und das Nachdenken darüber auch nicht.

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